FamilienPlausch

Kinder, Erziehung und andere Kleinigkeiten

#worththefight LANGEWEILE 14. April 2022

Filed under: Uncategorized — stefanieborrmann @ 08:19
#worththefight LANGEWEILE
Es ist wichtig, dass unsere Kinder Langeweile erleben.

Kinder brauchen außerplanmäßige Zeit. Zeiten, in denen keine Schule, keine Veranstaltung, kein Musikunterricht oder Sportverein sie eintaktet und ihnen einen Rythmus vorgibt.

Und, so seltsam es klingt, Langeweile ist eine Fähigkeit die man erlernen kann. Ich glaube, dass ein Großteil der heutigen Bewegung in Richtung Achtsamkeit, Stille und Meditation geht, weil wir verlernt haben, uns zu langweilen. Wir haben verlernt zu ruhen, nichts zu tun und dennoch glücklich zu sein.

Es ist schwer, als Elternteil mit den Beschwerden über Langeweile fertig zu werden. „Mama, mir ist so langweilig…“ Wer kennt das nicht. Und wie schnell sind wir versucht, Lösungen für dieses Problem anzubieten. Wenn wir aber nachgeben und ihre Zeit mit äußeren Reizen füllen, ziehen wir aktivitätssüchtige Kinder heran.

Widerstehe dem Drang, die Kinder zu beschäftigen und abzulenken. Gib ihnen die Gelegenheit, sich zu langweilen, zur Ruhe zu kommen und sich zu spüren. Lass sie dir Kraft der Langeweile entdecken, aus der oftmals grosse Kreativität geboren wird.

Lass sie lernen, zu sein.
#worththefight

#langeweile
 

#worththefight DRAUSSEN 13. April 2022

Filed under: Uncategorized — stefanieborrmann @ 08:15
#worththefight DRAUSSEN

Es ist unglaublich wichtig, dass wir unseren Kindern Zeit in der Natur ermöglichen. Manche halten sich automatisch am liebsten im Freien auf, für andere ist es eine echte Überwindung. Da sind wir herausgefordert, Wege zu finden, ihnen Zeit in der Natur zuzumuten. Sei es durch Treffen mit Freunden, Picknickausflüge, Geocaching, Hütten bauen, …

Im Draußen warten Sonnenschein, frische Luft und Bewegung auf sie, was dem Kind unglaublich gut tut und – um ehrlich zu sein – uns ebenfalls 😉. Denn gerade Bewegung ist in unserer digitalen Gesellschaft zunehmend Mangelware und doch so unglaublich wichtig für eine gesunde Entwicklung. Auch unsere Augen brauchen die Weite der Natur, den Blick weg vom Smartphone hinaus in die Landschaft – nachgewiesene Prävention gegen Kurzsichtigkeit.

Im Draußen lernen Kinder ganz spielerisch und natürlich durch einfaches Beobachten und anfassbares Erleben. Sie lernen nicht durch künstlich geschaffene Materialien, sondern durch das ECHTE. Sie erleben, dass es Zyklen und Jahreszeiten im Leben gibt. Dinge, die man nicht kontrollieren kann, wie Regen, Wind und Sonnenschein. Sie erleben Tiere und Pflanzen in unterschiedlichen Größen und Formen.

Entdecken. Staunen. Frieden. Freude.

Lasst uns unsere Kinder nach Draußen schicken – einfach, weil es rundum gut für sie ist ☀️.
 

#worththefight LESEN 12. April 2022

Filed under: Uncategorized — stefanieborrmann @ 15:47

Je nach Kind kann der Kampf zu Lesen ganz einfach oder sehr herausfordernd sein. Wir hatten eine absolute Leseratte, ein Manchmal-Lesen-ist-ok-Kind und ein Kind, bei dem wir es bewusst kultivieren mussten…

Schon in der Kleinkindphase kann man Lesen – es gibt wunderschön gestaltete Bilderbücher und tolle Vorlesegeschichten. Wie gerne erinnere ich mich noch an Bücher von Petterson und Findus, das kleine Ich bin Ich oder der Rote Flitzer. Und manche Passagen kann ich heute noch auswendig… 🙈

Bei Schulkindern kann das Lesen dann regelrecht in Stress ausarten. Wenn es nicht so klappt mit dem Silben zusammenziehen, Wörter erkennen und der Schnelligkeit, dann kann das Buch auch mal frustriert in der Ecke landen. Aber gerade da ist es wichtig, nicht nachzulassen, kreativ zu werden, auf die Suche nach geeignetem Lesematerial zu gehen und sich immer wieder bewusst Zeit zum Lesen nehmen. Da greift auch besonders unser Vorbild als Eltern. Sehen die Kinder uns auch lesend oder sind wir ausschließlich mit dem Smartphone beschäftigt… 🤔

Nicht jedes Kind wird Lesen zum Hobby ernennen und das muss es auch nicht. Und es wird auch immer wieder Kinder geben, die sich die Fähigkeit, Lesen zu können, hart erarbeiten müssen und gegebenenfalls auch Unterstützung durch Fachleute brauchen. Es lohnt sich jedoch, sich dafür einzusetzen und dafür zu kämpfen, lesen zu können. Lesen trainiert das Gehirn, stärkt die kognitive Entwicklung und fördert die Konzentrationsfähigkeit immens. Also, bleibt dran, es lohnt sich! 💪🏻

#worththefight
#lesen
 

#worththefight

Filed under: Uncategorized — stefanieborrmann @ 15:43
Vor ein paar Tagen hat mir mein Mann einen Twittereintrag mit ein paar sehr guten Impulsen für Eltern von David Morris weitergeleitet. Dies hat mich zu einer kleinen Serie über wichtige Kämpfe für uns Eltern inspiriert, die ich mit euch in den kommenden Tagen teilen möchte.
Für uns Eltern ist es wichtig, dass wir genau überlegen, welche Kämpfe wir kämpfen wollen und welche nicht. Es geht dabei nicht um Machtspielchen oder Wer-sitzt-am-längeren-Hebel-Kämpfe. Es geht darum, unseren Kindern etwas zuzumuten, was auf lange Sicht betrachtet gut für sie ist. Denn Kinder haben diese Sicht noch nicht, sie agieren nach kurzfristigem Lust-und-Laune-Prinzip. Daher ist es unsere Aufgabe als Eltern, die Zukunft im Blick zu behalten und unsere Kinder mit wertvollen Prinzipien und Fähigkeiten auszurüsten – und manchmal auch ihnen etwas zuzumuten.
Das ist nicht immer einfach, bei dem einen Kind leichter als bei dem anderen. Aber sie sind es wert, darum zu kämpfen!
In diesem Sinne viel Spaß und Inspiration und ganz viel Freude im Erziehungsalltag ❤️
#worththefight
 

„Ist das bei Euch auch so?“ – Umarme das Unperfekte 23. April 2021

Filed under: Uncategorized — stefanieborrmann @ 12:28

In den vergangenen Wochen und Monaten war ich durch meine Arbeit und auch privat mit vielen sehr verschiedenen Menschen und Familien in Kontakt. In unsere Gesprächen kamen dabei die unterschiedlichsten Brennpunkte und Herausforderungen zum Vorschein. Denn so einzigartig, wie die einzelnen Menschen sind, so sind auch ihre Familien und ihre Probleme einzigartig. Was aber vielen gemeinsam war, war das Gefühl, alleine mit dem Problem zu sein.

Ob es nun an der Corona-Situation und der damit verbundenen Distanzierung von Freunden und Familie oder an den vielen verschiedenen sozialen Medien liegt, die uns gerne perfekte Welten vorgaukeln…. Familien erleben sich zunehmend als vereinsamt, alleine mit ihren Fragen und Problem. Dazu kommt, dass bei anderen doch immer alles so leicht aussieht, so perfekt, einfach und geradlinig. Ganz anders als bei einem selbst. Wer sich in diesem Vergleichsmodus befindet, kann dabei nur scheitern. Denn entweder stellt er sich über den anderen, oder er macht sich klein und weckt den Neid in sich.

Was wir gerade in diesen Zeiten besonders brauchen, ist ein authentischer Austausch. Ein Herz-zu-Herz-Gespräch, in dem ich echt sein kann und meine Masken fallen dürfen. In dem Schwäche erlaubt ist und ich nicht die Starke sein muss. Ein Gespräch, bei dem ich Mitgefühl erlebe, bei dem ich merken darf, dass das Leben des anderen auch kein Ponyhof ist. Denn eines ist sicher: Familienleben ist immer herausfordernd! Natürlich in unterschiedlichem Ausmaß und in verschiedenen Phasen. Aber jeder Mann und jede Frau hat ihre eigenen Herausforderungen, ihre „Päckchen“ zu tragen und ihre Aufgaben zu meistern. Dies anzuerkennen ist unglaublich befreiend und schützt vor unguten Lebensvergleichen.

Ich werde immer wieder gefragt: „Ist das bei Euch auch so?“ Und auch wenn ich diese Frage nicht immer mit „Ja“ beantworte kann, da ja jedes Leben unterschiedlich und einzigartig verläuft, lasse ich mir gerne in die Karten meines Lebens blicken. Denn ja, auch wir haben unsere Kämpfe und Herausforderungen, mal sind es große und mal kleine. Ein ganz normales, unperfektes. lebendigchaotisches Familienleben ohne Regenbogenglitzerweltgedöns. Und ich erlebe immer wieder, wie gut es anderen tut, das zu hören. Denn so sehr wir es uns auch wünschen würden, wir sind alle nicht perfekt. Unser Leben ist es nicht und unser Partner, unsere Kinder und alles drum herum ebenfalls nicht – und ich muss es auch nicht sein. Das ist doch sehr entspannend zu wissen, findet ihr nicht? Und so umarme ich die Unperfektion, umarme meine Herausforderungen, sage ja zu meinen Aufgaben und Kämpfen und gebe mein Bestes – im Vertrauen darauf, dass da, wo ich selbst Fehler mache, mein Gott größer ist und bei ihm alle Dinge möglich sind.

In diesem Sinne, lasst uns echt sein, miteinander Leben teilen von Herz zu Herz und die Unperfektion umarmen. Denn die ist bei uns allen so 🙂

 

Leben mit Teenies #7: Spieglein, Spieglein 1. April 2021

Filed under: Denkanstöße — stefanieborrmann @ 17:34

Wir sind jetzt schon einige Jahre als Teenagereltern unterwegs. Wenn mich andere Eltern fragen, was sich denn so geändert hat in dieser Zeit im Vergleich zu den Kindheitstagen, dann antworte ich oft als erstes, dass es eine herausfordernde Zeit ist. Du lernst deinen Teenager ganz neu kennen, viele bisherige Verhaltensweisen verändern sich, werden komplett über Bord geworfen oder gehen ins Extrem. Und sie fordern dich ständig heraus, hinterfragen alle Entscheidungen, schreien nach Mitsprache und Transparenz. Es reicht nicht mehr nur, nein zu sagen, jetzt wird gefightet.

„Warum nein, es machen doch andere auch so, das ist doch gar nicht so schlimm, wie kann man nur so stur sein…. „

Vieles fliegt uns da entgegen – und nicht allem davon gebe ich Raum. Aber ich merke immer wieder, wie wichtig diese oft nervige Fragerei ist und welche Chance sie uns bietet. Denn bei aller teenagertypischen Rebellion sind es doch auch Fragen nach Sinn, nach Gründen, letztens nach unserer Weltsicht, unseren Werten. Warum haben wir uns so und nicht anders entschieden, wieso leben wir das als Familie anders als die Nachbarn, warum ist mir diese Regel wichtig… Warum hat nicht jedes Kind seinen eigenen Fernseher im Zimmer, wieso darf nicht jedes PC-Game gespielt werden? Warum kaufen wir nicht ständig neue Markenkleidung, und wieso muss ich im Haushalt mithelfen? Warum sind Entschuldigungen wichtig und, weshalb muss ich immer pünktlich in die Schule?

Wir sind aufgefordert, transparent zu sein und unseren Teenies Einblick in unser Herz zu geben. Welche Werte sind mir wirklich wichtig, was liegt mir sehr am Herzen und über welche Dinge kann man vielleicht wirklich noch einmal diskutieren, da sie vielleicht doch nicht ganz so wichtig sind… Das kann uns manchmal ganz schön ins Schwitzen bringen – denn nicht immer wissen wir, warum wir so oder so entscheiden. Unsere eigenen Motive sind oftmals unbewusst, und wenn sie dann von einem Heranwachsenden hervorgezerrt und hinterfragt werden, so kann sich das entblößend und verletzend anfühlen. Muss ich denn vor meinem Kind Rechenschaft über meine Entscheidungen ablegen? Muss ich mir das bieten lassen? Bin nicht ich derjenige, der hier entscheidet? Mit etwas Abstand riecht man hier gleich den sich anbahnenden Machtkampf nach dem Motto: wer hat hier das sagen. Und vor lauter Hahnenkampf entgeht mir eine unglaubliche Chance. Deses Hinterfragen bietet nämlich die einmalige Gelegenheit, einen Blick nach innen zu richten und mich darauf einzulassen, mich auf meine eigentlichen Gründe und Werte zu besinnen. Denn jeder von uns handelt aufgrund von Überzeugungen und Werten, auch wenn uns diese nicht immer präsent sind. Was für eine Gelegenheit, sich an diese zu erinnern und sie unseren Heranwachsenden zu erklären. Ihnen unsere Sicht von Gott und der Welt nahe zu bringen, sie an unseren Erfahrungen teilhaben zu lassen und ihnen zu erklären, warum wir diese Entscheidung so und nicht anders getroffen haben.

Ich erlebe diese Zeit als eine sehr intensive Zeit, die mich auch deshalb sehr viel kostet, weil sie mir mein Innerstes spiegelt. Teenies erkennen nämlich unglaublich gut, wo mein Gesagtes nicht mit meinem Gelebten übereinstimmt. Und das sagen sie in der Regel auch sehr direkt. Aber wenn ich darin die Chance erkenne, selbst zu wachsen und mich nicht nur in meiner scheinbaren elterlichen Autorität angegriffen fühle, entsteht ein beidseitiger Benefit. So lasst uns unsere „Spieglein“ lieben und diese Zeit umarmen als eine Chance, selbst zu wachsen, authentischer zu leben und unsere Werte an unsere Teenies weiterzugeben.

 

Leben mit Teenies #6: Zeitfenster JETZT 16. März 2021

Filed under: Uncategorized — stefanieborrmann @ 09:58

In den Pubertäts-Jahren ist es oftmals eine echte Kommunikationskunst, gute Gespräche mit den Teenies zu führen. Manchmal kann beinahe der Eindruck entstehen, man wäre ins Kleinkindalter mit Zwei-Wort-Sätzen zurückgekehrt. Oder aber auf der anderen Seite hat man quasselige Dauerredner daheim, die über alles mögliche reden und reden und reden aber nichts an sich heranlassen, sich in allem Redefluss dennoch nicht wirklich für einen Dialog öffnen können. So versanden viele Versuche von uns Eltern, zu erfahren, was unsere Teenies wirklich bewegt, entweder in Einsilbigkeit oder oberflächlichem Redeschwall. Doch gerade in dieser Zeit brauchen die Jugendlichen uns als Gegenüber, benötigen sie ansprechbare Eltern, mit denen sie auf Tiefgang gehen können, die es aushalten, wenn schwierige Fragen gemischt mit schwierigen Emotionen auf den Tisch kommen.

Und hier kommen Zeitfenster ins Spiel. Während Kinder vor der Pubertät in der Regel dankbar die von uns angebotene Zeit mit Spiel und Spaß und Gespräch füllen und annehmen, ist das bei unseren Heranwachsenden nicht mehr so. Die beste Chance für einen echten Dialog eröffnen nicht wir, sondern sie selbst – und das meist zu für uns völlig unpassenden Zeiten. Wenn wir uns gerade mit einer Tüte Chips in den Feierabend verabschiedet haben, wenn am Samstag die Gartenarbeit ruft und man am Sonntag doch einfach nur mal das Fußballspiel anschauen möchte. Zeitfenster zur Unzeit, oftmals wirklich auch erst sehr spät am Abend, wenn wir doch so gar nicht damit gerechnet haben. Aber wie wichtig ist es, auf diese sensiblen Zeitfenster einzugehen, sie zu ergreifen und alles stehen und liegen zu lassen, wenn das Teenagerherz bereit ist, sich zu öffnen. Wenn sie erleben, dass sie uns wichtiger sind, wir die Signale wahrnehmen, dass es jetzt gleich tiefer gehen könnte. Und welche Gesprächsschätze können sich dann entwickeln.

Ganz ehrlich, ich schaffe das nicht jedes Mal – und um Perfektion geht es uns ja gar nicht. Aber ich erlebe, wie kostbar es ist, zu erkennen, wann der Jugendliche bereit ist, sich zu öffnen und wir dann auch von Herz zu Herz miteinander sprechen können. Und dafür ist es wichtig, dass wir einen bewussten Richtungswechsel in unserem Denken vollziehen. Nicht mehr wir allein geben den Familienrhythmus vor, die Teenies gestalten die gemeinsame Zeiten ganz aktiv mit. Sie bestimmen, wann sie sich öffnen wollen und wann nicht. Beziehung gestaltet sich somit wechselseitiger, interaktiver und spannender.

Leben findet JETZT statt – lasst uns die Zeitfenster der Teenies nutzen!

 

Leben mit Teenies #5: Baustelle im Kopf 3. März 2021

Filed under: Denkanstöße — stefanieborrmann @ 07:45

Wer mit Teenies unter einem Dach wohnt, erfährt es täglich, das Baustelle-im-Kopf-Syndrom. Man unterhält sich mit dem Kind, zwei Minuten später ist das Gesagte aus dem Gedächtnis gelöscht. Man bittet den Teenie zum Beispiel, zwei Zwiebeln aus dem Keller zu holen. Nach Gemurre und Gemaule setzt er sich Minuten später in Bewegung, nur um dann 5 Minuten später aus dem Keller zu rufen: „Was soll ich nochmal machen?“ Absolute Baustelle im Kopf. Anderes Beispiel: Man sitzt gefühlt stundenlang am Tisch und handelt miteinander aus, wie wir als Familie das Wochenende miteinander gestalten wollen. Alle erteilen nach langem hin und her ihr Okay, und man geht zu Bett in der Annahme, in ein schönes Wochenende zu starten. Da kommt am Mittag – für den Teenager früh am Morgen – der Teenie auf uns zu und verkündet, dass er nicht mitgehen wird und dass er ja eh zu nichts ja gesagt hatte und wir ja ihn überhaupt nicht ernst nehmen und es immer nur nach uns geht…. BiK-Syndrom.

Ihr lieben Mit-Teenager-Eltern, ich denke, ihr wisst so langsam, wovon ich spreche… Und das macht das Zusammenleben echt anstrengend. Leider gibt es dafür erst einmal keine einfache Lösung oder gar ein Patentrezept. Mir persönlich hilft es dabei immer wieder, meinen Blick von mir und meinen Gefühlen weg auf meinen Teenie zu lenken. Denn wie geht es ihm denn mit der Baustelle so?

Die Baustellenzeit ist für unsere Heranwachsenden nämlich eine noch größere Herausforderung als für uns Eltern. Während wir uns immer wieder mal Auszeiten davon nehmen können, lebt er 24 Stunden rund um die Uhr damit. Denn sich selbst kann man nicht so leicht entfliehen… Und da wird soviel umgebaut! Angefangen von den ganzen körperlichen Entwicklungen, die in einer Geschwindigkeit vonstatten gehen, dass man manchmal gar nicht mehr nachkommt mit einkaufen. Ich erinnere mich, dass einer meiner Jungs in einem Jahr von Schuhgröße 42 auf 45 gesprungen ist. Das hat nicht nur ein großes Loch im Schuhbudget hinterlassen, sondern ist für den jugendlichen Körper eine immense Leistung. Neben diesen unglaublichen Wachstumserscheinungen kommt ja auch noch die ganze innere Wandlung mit dazu – eben das, was im Gehirn vonstatten geht. So vieles wird da umprogrammiert, neu gestaltet und verknüpft, eine Baustelle im wahrsten Sinne des Wortes also. Gefühle werden auf einmal wach, die man noch gar nicht kannte, Fragen tun sich auf, Gedanken, die man noch nie dachte…. Es wird neu gebaut und wieder eingerissen, umgebaut und frisch gestaltet…. Eine anstrengende und besondere Zeit.

Und mit diesem Blick auf mein Baustellenkind entdeckt mein Herz ein neues Verstehen in sich, werde ich barmherzig mit meinen Heranwachsenden und lasse mich erneut auf Verhandlungen, wiederholte Diskussionen und Emotionswirbel ein. Das Wissen um die Baustelle im Kopf lässt mich gelassener werden – und Gelassenheit ist für uns Teenie-Eltern Gold wert. In diesem Sinne versuche ich, die BiK-Zeit zu umarmen, sie willkommen zu heißen als einen Teil des Weges mit meinen Kindern, der unendlich wichtig und wertvoll ist und – wie alle Phasen – irgendwann zu Ende sein wird.

 

Leben mit Teenies #4: Identität – Wer bin ich? 1. März 2021

Filed under: Uncategorized — stefanieborrmann @ 11:22

In der Zeit der Pubertät sind die Teenager oft sehr zerrissen. Zwischen „noch-nicht-groß“ und „doch-schon-alt“, zwischen loslassen und festhalten, zwischen Nähe und Freiheit pendeln sie mit einem bisher ungekannten Ausmaß an Gefühlen hin und her. Dies verwirrt nicht nur uns Eltern, sondern vor allem auch sie selbst. Und in all dem Gefühlschaos stehen sie vor der großen Frage: Wer bin ich eigentlich?

Die Teenies sind auf der Suche nach sich selbst, nach neuen Möglichkeiten, sich die Welt zu eigen zu machen und im Erfahren neuer Grenzen. Diese Suche ist ein wichtiger Baustein im Erwachsenwerden und kann nicht einfach gelöst oder übersprungen werden. Interessant ist dabei, dass diese Suche nach der eigenen Identität von außen nach innen beginnt. Zuerst nimmt der Teenie seine äußere Erscheinung wahr, all die Veränderungen und Wünsche und die damit verbundenen Unsicherheiten. Die ersten Pickel können daher ungeahnte Dramen auslösen. Eine schlecht sitzende Frisur, unangesagte Klamotten, die Stimme, die auf Achterbahnfahrt geht – all das kann einen emotionalen Wirbelsturm verursachen. Erst in einem zweiten Schritt geraten die inneren Prozesse in den Fokus. Dann geht es um das eigene Können und Wollen, die eigenen Fähigkeiten und Eigenschaften. Was kann ich besonders gut, besser als andere? Was sind meine Stärken und Schwächen, was will ich gerne ausprobieren, und was entspricht mir einfach nicht? Die Zeit der Identitätssuche ist dabei von ständigem Vergleichen geprägt; je nach dem schneidet man besser oder schlechter ab. Dabei liegen scheinbare Arroganz und Minderwertigkeit oft nah beieinander – der ach so selbstbewusst wirkende Teenie kann im nächsten Moment vor lauter Selbstzweifel in Tränen ausbrechen.

Wann spricht man nun von einer „fertigen“ Identität? Ist diese Suche denn mit dem Ende der Pubertät abgeschlossen? Nein, das ist sie tatsächlich nicht, wie wir als Erwachsene sehr gut wissen. Denn auch wir befinden uns immer wieder in Zeiten, in denen wir mehr oder weniger krisenhaft feststellen, dass unser Wunschbild nicht mit der Realität übereinstimmt, dass andere Menschen uns deutlich anders wahrnehmen als wir uns selber sehen.

Identität ist ein lebenslanger Prozess, der in der Pubertät seine Blütezeit erlebt. Wenn die Jugendlichen in dieser Zeit lernen, Gegensätze und Konflikte zu bewältigen und Verschiedenartigkeit zu umarmen, erlangen sie mehr und mehr Selbstvertrauen und lernen, ihre eigenen Entscheidungen verantwortungsvoll zu treffen und selbstsicher und vertrauensvoll ihre Zukunft zu meistern. Es ist ein Weg, den die Jugendlichen für sich selbst gehen müssen – wir können sie dabei begleiten. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, den jungen Menschen zu helfen, aus einer Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten für ihr Leben das für sie Passende auszuwählen und ihr Leben Schritt für Schritt selbstverantwortlich in die eigenen Hände zu nehmen. Es ist Zeit, festhaltend loszulassen und freiheitliche Nähe anzubieten mit dem Ziel, dass sie einzigartige und unverwechselbare Persönlichkeiten werden, die ihre eigene Identität entwickeln und mehr und mehr wissen, wer sie sind und was sie wollen.

 

Leben mit Teenies #3: Spannungen aushalten 23. Februar 2021

Filed under: Uncategorized — stefanieborrmann @ 09:36

Wünschen wir uns nicht alle ein harmonisches Bilderbuchfamilienleben? Wo einer dem anderen hilft, freundliche Worte den Raum erfüllen, das Miteinander von Friede, Freude und Eierkuchen nur so trieft… Dieser Wunsch ist total verständlich aber leider weit entfernt von der Realität. Denn Familienleben bedeutet immer auch Herausforderungen und Konflikte. Verschiedene Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Meinungen und anderen Bedürfnissen treffen aufeinander – das geht nicht immer einfach vonstatten. Besonders in der Zeit der Pubertät treten diese Konflikte deutlicher zutage. Die Teenies haben aus Prinzip eine andere Meinung als die Eltern und in der Regel auch ganz schön viel Kraft, diese Kund zu tun und auf Konfrontationskurs zu gehen. Wenn dann Mama und Papa nach der Arbeit erschöpft das friedvolle Miteinander suchen und genießen wollen, trifft dieser Wunsch häufig nicht auf Gegenliebe beim Heranwachsenden. Was können wir nun tun? Wie gehen wir mit diesen Herausforderungen gut um?

In erster Linie brauchen wir eine gehörige Portion Mut! Mut, die Spannungen auszuhalten, die das Leben mit Teenies so mit sich bringen. Oft hilft es, wenn wir erst einmal anerkennen, dass diese Spannungen und Differenzen völlig normal und ein Teil dieser Lebensphase darstellen – und es nicht daran liegt, dass wir etwas falsch gemacht haben. Diese Erkenntnis kann das geforderte Mama und Papaherz schon einmal etwas entlasten. Und dann gilt es, die Spannungen auszuhalten und nicht in einen rechthaberischen Kleinkrieg zu verfallen. Oft hilft es, in den hitzigen Debatten Tempo rauszunehmen, zur Ruhe zu kommen und sich dann wieder zusammenzusetzen und nach Lösungen zu suchen. Uns Eltern kommt dabei die Aufgabe zu, immer wieder die Nähe und Beziehung zu den Teenies zu suchen und immer wieder neu den ersten Schritt auf sie zu zugehen. Uns Erwachsenen obliegt in erster Linie die Initiative zur Annäherung – die beleidigte Rückzugsstrategie ist für einen Teenager deutlich angemessener als für uns.

In diesem Sinne lasst uns mutig sein, Spannungen auszuhalten und unseren Teenies ein Sparringspartner zu sein – denn wir trainieren sie für alle kommenden Konflikte und Herausforderungen. Bei uns dürfen sie sich austesten und erste Erfahrungen sammeln – und das auf dem Boden bedingungsloser Annahme und sicherem Hafen elterlicher Liebe.

 

 
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